„Ich bin ein überzeugter und konsequenter Kritiker des Parteien-Parlamentarismus und Anhänger eines Systems, bei dem wahre Volksvertreter unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden.“
Alexander Issajewitsch Solschenizyn, 2007

Donnerstag, 11. Mai 2017

Ein Tag ohne Internet

Gestern war ich mal einen Tag vom Weltgeschehen abgeschnitten, und was passierte am Abend?
Ich wurde von den Nachrichten geradezu erschlagen.

Ganz oben steht ja der Abgang vom Django, den Kollege LePenseur bereits treffend kommentiert hat. Somit rücken die prognostizierten keinen Neuwahlen möglichst noch kurz vor dem EU-Befehl zum Öffnen der Schleusen für inzestvermeidende Nachbevölkerung des von Lendenlahmheit gebeutelten Kontinents näher.

Nicht, dass ich Mitterlehner, dieser Peinlichkeit am Rockzipfel erst des Taxlers und dann des Fahrdienstleiters, irgend eine Träne nachweine, wenn er endlich den Sessel räumt, auf dem klebend er mehrmals, gelinde gesagt, nicht gerade durch Kompetenz geleuchtet hat. Als billiger Sekundant und Steigbügelhalter eines Kanzler-Selbstdarstellers mit dem Politikverständnis aus Marxens Mottenkiste gab er eine geradezu tragische Gestalt ab. Hatte was jämmerliches. Sein Abgang ist für alle eine Erleichterung und eine reine Win-Win-Situation.

Dass der ORF-Oberpropagandist Karl Eduard von Wolf in seinem Roten Kanal darob in Geschmacklosigkeit versiffte, würde nur jemanden erstaunen, der nicht gelernter Österreicher ist. So wundert einen gar nichts. Dass der ORF ein reiner Sozenbunker ist und die ZiB-Brigade die Dirigenten im Orchester der Propagandatrompeten stellt, wissen nur einige Zugewanderte, Geisteskranke und überzeugte Linksradikale nicht, was erstaunlich oft in Kombination vorkommt. Für den Rest ist klar, dass die Pfründeburg am Küniglberg ohne Zwangsabgaben und Werbeblöcke voller AMS-, ÖBB- und AK-Spots in kürzester Zeit sowas von bankrott wäre, dass der Laden nicht einmal abgewickelt werden könnte sondern nur noch implodieren würde. Das AMS Wien hätte auf einen Schlag mehr langfristig Unvermittelbare als ihm der erste Schwung der Merkelschen Völkerwanderung beschert hat.

Die Roten spielen wahlkämpfend Schmutzkübelkampagne und schicken Vertreter ihrer leicht inzestuösen Wiener Feudalnomenklatura vor, um vorsichtshalber schon mal Kurz anzurotzen. Dass es sich bei einem der Pöbler um den Spross des Kanzelrs himself handelt, ist da nur eine kleine Geschmacklosigkeit am Rande. Irgendwie haben die Roten jeglichen Stil verloren und hetzen auf einem Niveau, das selbst bei blauen Provinzfesten mit der Lupe gesucht werden muss.

Dass Kern dem Kurzen angeblich ausgerichtet haben soll, er solle sich entweder sofort mit ihm an einen Tisch setzen und einen Koalitionsvertrag diktieren lassen, ansonsten die SPÖ garantiert nicht mehr für eine Koalition mit der Kurz-ÖVP zur Verfügung stehen würde, riecht gewaltig nach Verzweiflung. Beide, Schwarz wie Rot, scheinen es nur noch darauf anzulegen, sich am dichtesten an Blau anzukuscheln, weil sie wissen, dass Strache der Wahlsieger sein wird und freie Wahl haben wird zwischen Kurz oder Kern als Steigbügelhalter.

Und Kern spekuliert auf seinen Bundeswauwau. Die Schwarzen werden sich noch grämen, Van der Bellen ins Amt gehebelt zu haben. Denn der würde Blau-Schwarz eine Absage erteilen, verstockten Alten spielen und ihnen die Angelobung verweigern, aber bei Blau-Rot zufällig sein Wahlversprechen vergessen haben und die sehr wohl angeloben. Wenn die Blauen von der permanenten Verarsche der Schwarzen durch die Roten nichts gelernt haben und sich nach der keinen Neuwahl im Herbst (ich tippe mal Oktober) mit Kern ins Bett legen, sind sie bei der nächsten Wahl weg vom Fenster. Wenn es sie nicht vorher zerreißt. Die Basis wählt nämlich Blau um Rot loszuwerden, und nicht, um sich mit denen ins Bett zu legen.

Naja, interessant wird es werden, welche Wahlversprechen jetzt so auf uns einprasseln werden. Kern und Kurz sind begnadete Selbstdarsteller, Ankündigungsshowmaster ohne Substanz, der Versuch die inhaltlich zu greifen grenzt an den Versuch, Götterspeise an die Wand zu nageln. Eine lockere 10 auf der nach oben offenen Schulz-Skala der Inhaltslosigkeit. Die können jetzt lospoltern, wie sie nach der Wahl endlich werden die Grenzen schützen (Kern schreibt wahrscheinlich einen Brief an Brüssel mit der Bitte um Erlaubnis, doch Grenzkontrollen durchführen zu dürfen, und wird nach der harschen Abfuhr nach der Wahl dann weinerlich nachgeben...), tolle EU-Politik machen und Österreich in eine glorreiche Zukunft führen werden.
Warum sie das bis jetzt nicht getan sondern nur gelabert haben, werden sie nicht verraten. Und selbst wenn Kurz von Wolf darüber befragt wird, muss Kern von seinen Speichelleckern keine solche Fragen befürchten.

Eine Zeit kommt auf uns zu, wo ein paar Tage ohne Nachrichten reine Erholung sein werden...

Kommentare:

sokrates9 hat gesagt…

Wäre ich Kurz würde ich Sobotka als Vize nominieren - damit ist der Crash mit Kern vorprogrammiert - und als Nagelprobe von der ÖVP verlangen die sofortige Privatisierung des ORF anzustreben! Geling das ist Kurz der Sympathieträger Österreichs und hat den ORF ausgeschaltet, dessen rotgrüne Redakteure immer gegen ihm opponieren werden - wenn es nicht gelingt ist die ÖVP nicht rettbar!

Karl hat gesagt…

Wieder einmal ein toller Beitrag, werter Fragolin.

Laut Kurier will die Karawankenmamba einen Misstrauensantrag gegen Sobotka stellen *lach*

Die Melonen sind echt witzig.....