„Ich bin ein überzeugter und konsequenter Kritiker des Parteien-Parlamentarismus und Anhänger eines Systems, bei dem wahre Volksvertreter unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden.“
Alexander Issajewitsch Solschenizyn, 2007

Donnerstag, 8. Juni 2017

Das Vier-Punkte-Nichts

Irgendwie gieren alle in der linken Hälfte Deutschlands, die nicht mal mehr ein linkes Viertel ist, schon sehnsüchtig auf die alle erlösende Wortmeldung des Messias. Sie laufen ihm schmachtend nach und ersehnen den Moment, wo er ihnen ein Zeichen schenkt, vielleicht eine Sandale auszieht. Und so ist es kein allzu großes Wunder, dass bei der übergroßen Sehnsucht nach einem Pünktchen Programm, einem Fünkchen Inhalt, einem Krümelchen Substanz in den unendlichen Weiten der sozialistischen Leere jeder aufrechte Helldeutsche an den Lippen des Heilands hängt und selbst die schnöde Bestellung einer Currywurst als gloriosen Plan zur Bekämpfung des Hungers auf der Welt abfeiert.

Und so wundert es auch nicht, dass bei t-online die Begeisterungswogen hochschlagen und man selbst aus einem geschriebenen Satz das freudige Beben des Herzens des Verfassers herauslesen kann, denn der Große Zauberer von Würselen hat ein Programm vorgestellt, das es in sich hat: Er hat einen „Vier-Punkte-Plan“!

So will Martin Schulz die Rente sichern“

Wow, er hat ein Programm! Ach was, mehr noch, einen Plan! Einen Vier-Punkte-Plan!
Hosianna! Halleluja!

Erstens solle das Absinken des Rentenniveaus gestoppt werden.“

Ja, das ist gut! Das ist… äh, ja, äh, guuut. Sehr gut! Doppelplusschulz. Vor allem der Teil mit dem gestoppten Absinken, der hat so was Rettendes. Man stellt sich vor, wie das Rentenniveau auf einem klapprigen chinesichen Billigschlauchboot mit Einwegmotor Richtung Lampedusa dümpelt und dann kommt Fregattenkapitän Schulz auf dem SPD-Katamaran (Die Pontons Gabriel und Steinmeier mit Kraft als Querstrebe und Stegner als Wurfanker) angebraust und stoppt rettend sein Absinken. Oder so. Denn irgendwie folgt dieser großartigen Ankündigung – nichts.
Na gut, war ja nur der erste Planpunkt. Da müssten ja noch so ungefähr drei kommen.

Zweiten wolle er eine Solidarrente über dem Niveau der Grundsicherung geben, damit Menschen, die ein Leben lang gearbeitet hätten, nicht im Alter in Armut leben müssten.“

Oh, wie süß, er hat ja soooo ein gutes Herz! Er will geben, und zwar eine Solidarrente für all jene, die ein Leben lang gearbeitet haben. Warum Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, danach auf ein Rentenalmosen angewiesen sind, müsste man jetzt die Partei fragen, die in den letzten Jahrzehnten die meiste Zeit das Sozialministerium geführt hat.

Woher das Geld kommen soll, um diese Versprechen zu finanzieren, muss einen Messias nicht kratzen. Hat ihn schon in Würselen nicht gekratzt, das heute noch etwas von den Schulden hat, die dort seit seiner erfolgsmageren Zeit als Bürgermeister abgearbeitet werden dürfen.
Gut, inhaltlich also eine knallhart dahingeqäuäkte Forderung ohne jeden Hinweis darauf, wie man die überhaupt erfüllen will. Oder womit. Egal. Das hat der zweite Punkt einfach mit dem ersten gemeinsam. Kann ja nur besser werden.

Drittens werde es im Gegensatz zur Union mit den Sozialdemokraten keine Anhebung des Rentenalters geben.“

Ja. Schön. Und wie will man das… ach ja, ich vergaß, einen Propheten fragt man niemals nach dem „Wie“, wenn er ein Wunder ankündigt. Was hätte Jesus blöd aus der Wäsche geschaut, wenn er das mit dem einen Brot und dem einen Fisch probiert hätte und seine Jünger hätten ihn mit blöden „Wie willste denn das machen?“-Fragen genervt. Der hätte glatt vor Frust allein gegessen, sich noch einen Kübel Wasser zu Wein gewundert und den Rest verhungern lassen.
Also, der Heilige Maddin hat gequakt und seine Cheerleader haben geweint vor Glückseligkeit wie Claudia Roth und sich auch den letzten Punkt mit Verzücken in die Notizbücher gekritzelt:

Und viertens wolle die SPD in der nächsten Legislaturperiode einen neuen Generationenvertrag erarbeiten, der den Lebensstandard im Alter sichere, sagte Schulz.“

Oh, sie wollen was tun! Sie hätten zwar seit Jahrzehnten mehr als nur eine Gelegenheit gehabt, ordentlich etwas zu tun, aber das haben sie nicht getan. Warum auch? Dann gäbe es ja jetzt nichts mehr anzukündigen und zu versprechen.

Dieser „Vier-Punkte-Plan“ ist keiner. Nur weil es vier Punkte gibt, ist es noch lange kein Plan.
Es wird nämlich nirgends beschrieben, WIE, sondern nur, DASS er die Renten sichern will. Das ist kein 4-Punkte-Plan sondern ein 4-Punkte-Wunschzettel. Ach was, ein Vier-Punkte-Nichts!
Und die Überschrift, die verspricht, dass Schulz Lösungsansätze bietet („So will Martin Schulz...“), kann dieses Versprechen nicht halten. Denn der Artikel ist leer. Kein Wunder, es existiert kein Plan, es existiert nur warme Luft, die Geräusche macht, wenn man sie sprechend ausatmet. Also spult man die Wunschliste ab, hängt ein leeres Versprechen dran, wiederholt das Ganze nochmal und lässt den Leser mit der Erkenntnis zurück: Die haben nichts zu berichten. Die Überschrift ist reiner Fake. Es gibt keinen Plan, nur Parolen. Blabla. Wahlgetöse. Eine Sandale für die Jünger.

Es bleibt dabei: Schulz ist inhaltsleer. Wie eine politische Aufblaspuppe voller Nichts, angehimmelt von politisch Notgeilen, die jedem gelegentlichen Luftentweichen und dem lustigen Quieken, das dabei entsteht, lauschen, als hätte das Blasmariechen gerade eine Nobelpreisrede gehalten.
Meine Fresse, wie peinlich das alles ist.
Und die wollen regieren.

1 Kommentar:

Gerd Franken hat gesagt…

Köstlich!! Wo lernt man so schreiben? Will ich auch!!!